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Abdul Ghaffar Khan
Pionier der Gewaltlosigkeit



Er war Weggefährte des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi und predigte stets die Gewaltlosigkeit im Islam: Abdul Ghaffar Khan. Vor rund 20 Jahren starb der von den Paschtunen verehrte "König der Anführer" in Peshawar. Ein Porträt von Nasim Saber

Abdul Ghaffar Khan; Quelle: Awami National Party
Bild vergrössern Ein muslimischer Pazifist: Abdul Ghaffar Khan kämpfte mit friedlichen Mitteln gegen die britische Herrschaft auf dem indischen Subkontinent.
Abdul Ghaffar Khan wurde 1890 in Charsadda bei Peshawar im britisch besetzten Nordwesten des indischen Subkontinents geboren. Er entstammte einer angesehenen Paschtunenfamilie des Mohammadzai-Stammes, aus deren Reihen der letzte König Afghanistans, Zahir Shah, stammte.

In dieser Zeit wurde Abdul Ghaffar Khan zu einem Pionier der Gewaltlosigkeit in einer von Kriegen zerrütteten Region. Die Paschtunen verehren Abdul Ghaffar Khan noch heute als "Badshah Khan" (König der Anführer).

Bereits 1910 baute Abdul Ghaffar Khan als 20-Jähriger eine Schule bei Utmanzai im Nordwesten des heutigen Pakistans. Er gründete die "Anjuman e islah ul Afghana" (Reformistische Vereinigung der Afghanen) und verlegte das Magazin "Pashtoon" (Der Paschtune), um auch die von den Briten beherrschten Massen zu erreichen.

Proteste der "Red Shirts"

Diese Bemühungen mündeten in den 1920ern in der Gründung der "Khudai Khidmatgaran" (Gottesdiener): Eine Armee von zehntausenden unbewaffneten Paschtunen, die sich auf passiven Widerstand durch zivilen Ungehorsam beschränkten. Von den Briten wurden sie aufgrund ihrer auffälligen roten Protestkleidung "Red Shirts" genannt.

Auf Höhepunkt der Proteste gegen die britische Herrschaft im Nordwesten Indiens schossen britische Truppen am 23. April 1930 auf Unbewaffnete und töteten Hunderte von Demonstranten.

Wendepunkt für Indiens Unabhängigkeit

Doch später rebellierten die Soldaten, anstatt ein weiteres Blutbad anzurichten. In Peshawar verweigerten sie den Schießbefehl im "Qissa Khwani"-Basar, dem Basar der Märchenerzähler. Dieses Ereignis wird heute als Wendepunkt im Bemühen um die indische Unabhängigkeit gewertet. König George VI selbst ließ daraufhin eine Untersuchung der Ereignisse anordnen.

Straße in Peshawar um 1900; Foto: Theodore Leighton Pennell
Bild vergrössern Peshawar war das Zentrum von Badshah Khans Bemühungen, die Unabhängigkeit friedlich zu erreichen.
"Amal, yaqeen, muhabat" - selbstlose Handlung, Glaube und Liebe sind nach Badshah Khans Überzeugung das Wesen des Islam. Als "Khudai Khidmatgar" (Gottesdiener) war er der Meinung, dass Gott keine Dienste benötigte – seiner Schöpfung zu dienen, bedeute, Gott zu dienen.

Beim Eintritt in die Bewegung schwor man, "jenen zu verzeihen, die einen unterdrückten oder grausam behandelten." Außerdem musste jedes Mitglied "ein einfaches Leben führen" und mindestens zwei Stunden täglich Sozialdienst leisten.

Badshah Khan selbst hielt sich ein Leben lang an seine Worte. Zarin Anzor, ein renommierter afghanischer Publizist, der Badshah Khan traf und an dessen Beerdigung teilnahm, beschreibt Badshah Khan als "eine Persönlichkeit mit Prinzipien, die bis zum Ende ihres Lebens diesen Prinzipien treu blieb."

Neben der Einheit und Freiheit der Paschtunen habe er sehr stark für gesellschaftliche und kulturelle Reformen gearbeitet und daran gedacht, "die Paschtunen in die Schulen zu schicken, damit sie lernen können, und zwar in ihrer eigenen Sprache."

Ein Leben im Gefängnis

Aufgrund seiner Nähe zur indischen Unabhängigkeitsbewegung unter Mahatma Gandhi und seiner Prinzipien sperrten die Briten, aber auch der Staat Pakistan, Badshah Khan immer wieder ins Gefängnis. So verbrachte Badschah Khan mehrere Jahrzehnte seines 98 Jahre langen Lebens in britischen und pakistanischen Gefängnissen. Amnesty International nominierte Abdul Ghaffar Khan 1962 sogar zum "Gefangenen des Jahres."

Mohandas Karamchand Gandhi; Foto: AP
Bild vergrössern Mahatma Gandhi - Weggefährte und enger Freund von Abdul Ghaffar Khan.
Sein guter Ruf ist in weiten Teilen Afghanistans, Pakistans und Indiens noch heute ungebrochen. Der afghanische Volksmund verlieh ihm den Titel Fakhr-e Afghan (Stolz der Afghanen). Indien zeichnete ihn 1987 als ersten Nichtinder mit dem höchsten zivilen Preis, dem Bharat Ratna Award, aus.

Badshah Khan verstarb am 20. Januar 1988 unter Hausarrest in Peshawar und wurde seinem Wunsch entsprechend in der Stadt Jalalabad in Afghanistan begraben. Ein letztes Mal zogen zehntausende seiner Anhänger im Trauerzug über den historischen Khyber Pass von Peshawar nach Jalalabad.

Für eine Kultur des Friedens

An seinem 20. Todestag in diesem Jahr hielt nur eine Handvoll afghanische Intellektuelle eine Gedenkveranstaltung an Badshah Khans Grabmal ab. Aber Kulturvereine in der Region und in Europa planen zahlreiche Festakte in Gedenken an den gewaltlosen Paschtunen Abdul Ghaffar Khan.

Der indische Literaturprofessor Eknath Easwaran, der ein Buch über Mahatma Gandhi und Badshah Khan geschrieben hat, bezeichnet die beiden Weggefährten als "Allierte in einer Revolution des menschlichen Geistes und Pioniere einer Kultur des Friedens."

Tatsächlich scheint es, als habe die gewaltlose islamische Philosophie von Badshah Khan bis heute nichts von ihrer Attraktivität und Brisanz verloren – nicht nur für die kriegsgebeutelte Region, sondern weltweit.

Nasim Saber

© Qantara.de 2008



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