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Konferenz über christlich-islamische Beziehungen
Aktiver interreligiöser Dialog gefordert



Drei Tage lang diskutierten Vertreter von Muslimen und Christen aus Frankreich und Deutschland auf einer Veranstaltung in Paris über Probleme und Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Dabei zeigte sich: Die Situation von muslimischen Einwanderern in beiden Ländern ist nur bedingt vergleichbar. Von Peter Philipp

Tag der offenen Moschee in Hamburg, Foto: © islam.de
In Deutschland wird der interreligiöse Dialog oft positiver bewertet als in Frankreich: Moschee-Besucher in Hamburg am Tag der offenen Moschee
Jean-Arnold de Clermont, der Präsident der Protestantischen Föderation Frankreichs, kam zum Abschluss der dreitägigen deutsch-französischen Kolloquiums über christlich-islamische Beziehungen in Frankreich und Deutschland zu einem ernüchternden Schluss:

Offenbar sei die französische Öffentlichkeit nicht aufgeschlossen genug gegenüber der Notwendigkeit eines offenen und aktiven Dialogs mit dem Islam und der muslimischen Minderheit in Frankreich - der immerhin größten muslimischen Minderheit in der Europäischen Union.

Dialogbedarf nach dem 11. September

Dabei besteht in Frankreich - ebenso wie in anderen westlichen Ländern - ein klarer Bedarf an Dialog und gegenseitigem Verstehen. Besonders natürlich seit dem 11. September. So sieht das auch Franck Frégosi, Forschungsleiter am Institut für Politische Studien in Straßburg:

Er glaubt, dass der 11. September "diesen Schatten von Furcht und Angst gegenüber dem Islam" aufgedeckt habe, der sich verstärkte. Immer mehr - besonders christliche - Gemeinden hätten damit begonnen, die Beziehungen mit den Muslimen zu betonen:

"Vergessen wir aber nicht, dass auch die Muslime selbst in Erklärnot sind", meint Franck Frégosi, "für sie ist das Drama des 11. September der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Einige unter ihnen betonen, dass man heute nicht mehr vom Islam sprechen kann, wie man das vorher getan hatte."

Es gebe deswegen unter den Muslimen Bemühungen, einige der Fragen wieder aufzuwerfen und in den Vordergrund zu stellen, die durch all dies in Vergessenheit gerieten, so Frégosi. Unter diesem Gesichtspunkt habe der 11. September dazu beigetragen, dass Muslime und Nichtmuslime sich eine Reihe von Fragen stellten - darunter auch solche, die störten.

Das deutsch-französische Kolloquium konnte genau dies aber nicht bestätigen. Denn von französischer Seite wurde der Veranstaltung sehr wenig Interesse entgegengebracht. Dies lag sicher nur zum geringeren Teil an der allgemeinen Lage in Frankreich und besonders in Paris, wo die heftigen Unruhen der "banlieues" gerade begonnen hatten, nachzulassen.

Diese Unruhen hatten ihre Wurzeln nicht in religiösen Gründen, sondern in den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Zuständen in jenen Vororten.

Frankreichs Unruhen als Generationenproblem

Zum Teil reflektierten die Unruhen aber auch ein Generationenproblem: Die junge Generation der Einwanderer ist - oft im Gegensatz zu ihren Eltern - französischsprachig und französisch erzogen, fühlt sich aber ausgegrenzt und benachteiligt.

Dasselbe gilt für muslimische Einwanderer - deren Bevölkerungsanteil wegen der strikten Trennung von Staat und Religion in Frankreich nicht einmal offiziell bekannt ist. Bei den Muslimen aber führt das Generationenproblem auch zu einer Erschwernis des Dialoges mit der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft.

Franck Frégosi glaubt, dass auch ein ganz klares kulturelles Gefälle bei den Muslimen in Frankreich existiere: "Die meisten der Verantwortlichen sind 'rst-Einwanderer' - Einwanderer, die sich einst in Frankreich niedergelassen haben, die aber nicht über das kulturelle Kapital verfügen, das ihnen erlauben würde, in der Diskussion weiter zu gehen", so Frégosi:

"Die junge Generation wird das ändern. Das Problem ist aber, dass diese junge Generation bisher noch nicht in den repräsentativen muslimischen Organisationen hat Fuß fassen können. Sie begnügt sich vielmehr mit lokaler Basisarbeit - und die Verantwortlichen der Gemeinden bremsen eher die Erneuerung der Generationen."

Frégosi denkt, dass dieses Gefälle auch hinsichtlich der Zielsetzung der religiösen Akteure gegenüber der täglichen Praxis existiere: "Man braucht Gebetsräume, man braucht muslimische Friedhöfe. Demgegenüber ist die theologische Diskussion daran gescheitert, dass es keine Leute gibt, die fähig wären, diese Diskussion bis zum Ende zu führen".

Was nicht heißen soll, dass es gar keine Initiativen gäbe. Aber solche Initiativen sind meist sehr lokal begrenzt - etwa der Dialog zwischen Pfarrern und Imamen in einigen elsässischen Orten.

Und selbst wenn ein Vertreter der protestantischen Kirche stolz von einer immer erfolgreicheren Initiative der "Islam-Tage" berichtet, so zeigt sich bei näherer Betrachtung rasch, dass dies zwar ehrenwerte, aber doch recht erfolglose Veranstaltungen sind, die einmal im Jahr in einigen Orten einige Tausend Interessenten anlocken.

Dem gegenüber klang das Resümee deutscher Teilnehmer weitaus überzeugender, die von kontinuierlicher Zusammenarbeit in gemischten Frauengruppen berichteten oder vom Gedankenaustausch zwischen Pfarrern und Imamen über Monate hinweg.

Dieser Dialog habe weite Wirkung in die Gemeinden hinein gehabt und auch an der Basis zu dauerhaften und freundschaftlichen Kontakten geführt.

Deutschland als Vorbild?

Franck Frégosi hält das deutsche Beispiel für sehr positiv, denn der Dialog in Frankreich sei doch meist etwas zu institutionalisiert: Dort beschränke man sich oft auf Kontakte, bei denen man sagt, was man Gutes über den Islam denke oder Gutes über das Christentum.

Persönlich glaube er nicht an diesen institutionalisierten Dialog, der für ihn ein wenig zu diplomatisch sei: "Ich glaube vielmehr an Begegnungen von Individuen vor Ort. Der einzige Weg heute, das gegenseitige Verständnis zu fördern, ist, den Akzent auf gemeinsame Aktionen zu setzen", sagt Frégosi und fügt hinzu: "Nicht unbedingt auf der Ebene der Kirchen, sondern eher auf dem Niveau der Basis der Gemeinden."

Nur so könne man letztlich falsche Vorstellungen vom Christentum unter Muslimen abbauen und umgekehrt auch überholte und falsche christliche Ansichten über den Islam.

Ein wichtiger Aspekt - in dem der Dialog in Frankreich anders läuft als in Deutschland - wäre auch eine bessere Einbindung der französischen Muslime in das politische System. In Deutschland, so meint zumindest Franck Frégosi, sei das weiter fortgeschritten:

"Da gibt es junge Leute türkische Abstammung, die in Parteien - wie der SPD - zu finden sind. In Frankreich dagegen sind das nicht so viele. Man steht noch am Anfang dieses Prozesses."

Sehr oft, wenn man mit jungen französischen Muslimen diskutiere, sagen einige von ihnen: 'Wir sollten das wie unsere deutschen Brüder tun.' Oft werde die Integration in Deutschland als Vorbild hingestellt, meint Frégosi.

Für ihn sei das zwar etwas paradox, denn die deutsche Seite behaupte ja selbst oft, dass die Integration nicht gut funktioniere. Auf jeden Fall sei der Anteil von Zuwanderern in der deutschen Politik aber bedeutender als in Frankreich.

Peter Philipp

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2005



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